Georg Maas über seinen Film

Im Dokumentarfilm reizt es mich, Menschen beim (Zusammen-) Leben zuzuschauen und möglichst wenig einzugreifen.

Wir haben deshalb so weit als möglich versucht, das Material zu »Pfadfinder«  nicht in vorab geklärten Situationen aufzunehmen (»Tut so, als wären wir nicht da, und macht, was ihr immer macht«).

Für »Pfadfinder« trafen wir mit den Protagonisten eine andere Art der Absprache: Wir begleiten Euch bei Eurem Leben, und alles, was uns gelingt, mit der Kamera anzufangen, kann Bestandteil des Films werden (sofern nicht jemand ein Veto einlegt). Wenn wir etwas verpasst haben: Pech für uns. Niemand wird auch nur einen Handgriff oder Satz für den Film wiederholen oder auf Absprache hin etwas tun.

Ausnahme davon waren natürlich die für den Film gedrehten  Interviews. Abgesehen davon gibt es keine inszenierten Szenen im Film.

Die Montage allerdings lässt sich durchaus als Inszenierung begreifen. Wir haben hier einen offenen und durchschaubaren Stil gesucht. Jump-Cuts in den Interviews machen unsere Eingriffe nachvollziehbar und schaffen, wie wir finden, einen interessanten visuellen Stil (was auf der Diskussion nach der Premiere auf dem Festival in Duisburg für Kontroversen sorgte. Für das Diskussionsprotokoll siehe Link unten).

Zwei Jahre haben wir die beiden Protagonisten begleitet. Sich Zeit nehmen führt zu einer anderen Art von Qualität. Weil das Budget des Films klein war und wir nicht alle Reisen der Protagonisten mitmachen konnten, rüsteten wir sie mit einer Kamera aus und ließen sie Teile des Films selber drehen.

Die Dreharbeiten sollten nicht dem Sammeln von Belegbildern für eine vorgefertigte Meinung dienen, sondern der Erforschung dessen, was vor sich geht.

Protokoll der Diskussion über den Film auf der Duisburger Filmwoche
(dann „Pfadfinder“ anklicken)


pfadfinder